Hallo,
ich möchte heute mal die Gelegenheit ergreifen um eine etwas ältere Weltraumsimulation vorzustellen. Und um ganz ehrlich zu sein, neben X-Wing vs. Tie Fighter und mit Einschränkungen auch Freespace (2) (welches ich lieber als anspruchsvollen Weltraumactionspiel ansehe), handelt es sich dabei um das einzige Spiel, welches dieser Genrebeschreibung wirklich gerecht wird. Die Rede ist von, man denke sich hier einen Tusch, I-War, Teil 1. Auf den zweiten Teil werde ich, wenn überhaupt, nur kurz eingehen, da er mir persönlich nicht so zugesagt hat. Dies ist jedoch rein subjektiv und hat nichts mit der Güte des Spieles zu tun. Ich mag die Piratenstory einfach nicht.
Kurze HintergrundgeschichteDoch kommen wir zu I-War. Ausgesprochen heißt es soviel wie Independence War (Unabhängigkeitskrieg) oder Infinite War (unendlicher Krieg), welcher inzwischen seit mehr als 50 Jahren zwischen dem Commonwealth und den Indies tobt. Bei den Indies handelt es sich um die Unabhängigkeitsarmee, welche von den führenden Stellen des Commonwealths allerdings als Terroristen angesehen werden. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein Schiff des Commonwealths überfallen und / oder Erztransporter gekidnappt werden. Um das eigene Militär aufzustocken beschließt die Navy des Commonwealths alte, zum Teil schwer beschädigte Schiffe zu bergen und wieder kampfbereit zu machen. So startet der Spieler als junger Lieutenand um ein eben solches Schiff zu bergen.
Das SpielDie erste Mission zeigt bereits, dass das Spiel nichts für Muttigänger und Weicheier ist. Man muss mit einer Kommandokapsel in ein Trümmerfeld fliegen und ein geeignetes Schiff finden. Ist dies geschehen aktivieren sich jedoch die Sperrminen, welche das Trümmerfeld beschützen (über die Logik kann man streiten

) und verfolgen das Schiff. Nun hat der Spieler die nicht gerade eben leichte Aufgabe mit löchrigem Tank, ohne Schilde und unbewaffnet, das Trümmerfeld zu passieren und den Minen zu entkommen. Und das ist nur der Anfang.
Die Steuerung ist zwiespältig zu betrachten. Zwar ist sie auf den ersten Blick nicht gerade eben intuitiv und man wünscht sich so manches Mal eine dritte Hand oder wenigstens einen sechsten Finger, aber wenn man sich durch das Tutorial gearbeitet hat, dann stehen die Chancen durchaus realistisch, dass man gut mit ihr zurecht kommt. Außerdem kann ich jedem, der das Spiel ergattern kann (und will), den Joystick weit weg zu legen. Erstens kommandiert man ein Großkampfschiff nicht mit einem Joystick (es sei denn, der Stick ist von Karstadt und das Schiff heißt Enterprise - E) und zweitens hab ich es wirklich hinbekommen mit I-War zwei Joysticks kaputt zu machen. Fragt mich nicht wie, ich weiß es nicht. Angeschlossen, losgespielt, aufeinmal ging bei beiden (einmal ein Sidewinder Pro, einmal ein Thrustmaster Firebird (oder Thunderbird???) 2 der primäre Feuerknopf nicht mehr (zwischen beiden Versuchen lagen gut drei Jahre). Den Thrustmaster konnte ich wieder ans laufen bringen (nachdem er ein Viertel Jahr in der Ecke lag), den Sidewinder nicht (und der war nichtmal meine).
Mit der Tastatur hingegen lässt sich die eigene Corvette wie ein Traum steuern. Ja, sie ist behäbiger als die Schiffe in Wing Commander und ja man sollte vor einem Maneuver überlegen, ob man es schnell genug ausführen kann, aber gerade das macht das Spiel ja aus. Es handelt sich nicht um ein einfache Hau drauf Gemetzel, wie es leider oftmals bei Wing Commander der Fall war. Wie bereits geschrieben, am Anfang mag die Tastaturbelegung durchaus etwas übervoll wirken, aber man gewöhnt sich während des Tutorials sehr gut daran.
Auch die Grafik lässt sich nicht so einfach mit beschissen oder extrem edel bezeichnen. Für die europäische Version gibts ein Glideupdate, welches in der US Version schon enthalten ist. Dadurch steigen aber auch die Systemanforderungen rapide. So läuft das Spiel im Softwaremodus (D3D oder OpenGL gibts nicht) auf einem Pentium 90 mit 16MB Ram, mit Glide sollte es dann schon ein Pentium 166MMX mit 32MB sein. Klar, heute ist das lachhaft, war es eigentlich schon 1998, als das Spiel erschien, aber es geht ums Prinzip. Unter Glide sieht das Spiel schon durchaus gut aus, mit all den Lensflareeffekten und den Lichtquellen. Leider hat man das HUD nicht entsprechend überarbeitet, so daß es in dieser Sicht durchaus etwas störend ist, wenn man vorwärts fliegt und die in Software dargestellten "Bewegungsstreifen" sieht. Aber die kann man ja abschalten, was ich allerdings nicht wirklich empfehle.
Was den Sound angeht so gibt es leider nur Stereo. Macht aber nichts, so wie das aus den Boxen wummert, wenn die Teilchenstrahlkanone(n) auf den Gegner abgefeuert werden. Auch die anderen Effekte, wie Schildtreffer und dergleichen werden akustisch sehr gut dargestellt (wenn auch natürlich unrealistisch... bla)
Was die deutsche Sychnronisation angeht so wirken die Sprecher zwar bemüht, aber mehr auch nicht. Außerdem wurde vieles falsch übersetzt. So zum Beispiel "first ship of her class" als "bestes Schiff ihrer Klasse". Na ja, man kann es sich anhören, aber wer es lieber in englisch mag, die Originalfassung ist ebenso auf den CDs. Die französische kenn ich nicht, da ich keinerlei Verlangen danach hatte, diese zu spielen.
Wirklich lobenswert hervorzuheben ist jedoch die Missionsgestaltung. In nahezu jeder Mission gibt es überraschende Wendungen und spannende Kämpfe. Manches mal wird mal vielleicht auch frustriert die Tastatur in die Ecke hämmern wollen, aber dennoch sind die Missionen immer fair und mit einem Mindestmaß an Kopfarbeit gut zu lösen.
FazitI-War ist für mich trotz seines hohen Alters und all seiner Macken eine Art "Genreprimus". Es sieht (für mein empfinden) besser aus als Wing Commander, ist dabei noch komplexer als Freespace und die Missionen sind sehr gut durchdacht. Spielerherz, was willst du mehr? Einen dritten Teil? Na ja, ich glaub nicht daran.