Der Wind heult mir in den Ohren und die Cumuluswolken hängen erstaunlich tief unter dem rosafarbenen Himmel. Schnell überprüfe ich noch die Treibstoffzuladung und die Fracht. Alles vorhanden. 5 Tonnen Fleisch, 2 Tonnen Treibstoff, genug um nach Barnard Star zu springen und meine Karriere als Händler zu beginnen.
Was ich mit diesen blumigen Worten eingeleitet habe, ist das Review zur einzigen wahren Weltraumhandelssimulation: Elite 2 Frontier
Testumgebung:Amiga 2000
Blizzard 2060 @50MHz
PicolloSD64 Grafikkarte
130MB Ram
20GB Festplatte
Kickstart 3.1
Workbench 3.9
Wie zu sehen ist, teste ich die Amigaversion. Allerdings nicht irgendeine, sondern die des CD32, welche allerdings auch in Standartamigas läuft. Der Grund dafür? Zahlreiche Bugfixes und ein neues Feature, im Vergleich zur PC- und Standartamigaversion.
HauptteilMan beginnt das Spiel im Jahre 3200 als Enkel von Commander Jameson, welcher dem ein oder anderen Computerrentner noch aus dem ursprünglichen Elite bekannt ist. Jameson ist tot und hat dem Spieler ein kleines Schiff und 100 Credits vermacht. Diese gilt es nun zu vermehren um sich größere Schiffe und / oder mehr Ausrüstung zu kaufen.
Das hervorstechende Merkmal von Frontier ist das absolut offene Spielprinzip, wogegen auch das (zugegebenermaßen besser in Szene gesetzte) Privateer nicht anstinken kann. Ob als Pirat, als Händler oder im Bergbau, es gibt nichts, was der Spieler nicht tun könnte. Auch einer Karriere beim Militär oder als Assassine steht nichts im Weg. Eine Geschichte in dem Sinne gibt es nicht, man fliegt einfach umher und macht ne Menge Geld.
Ein weiterer Vorteil ist die Schiffsauswahl. Privateer traute sich mit vier Schiffen aufs Parkett, bei Frontier sind es um die 20. Vom interplanetaren Shuttle, bis zum 2000T Frachter ist alles vertreten. Ein weiter Pluspunkt dabei ist, dass die Schiffe wirklich unterschiedlich sind. So sollte man mit einem Panther Clipper, dem größten spielbaren Schiff, nicht unbedingt Kuriermissionen für das Militär fliegen, weil man unter Garantie erst 2 Wochen nach Fristablauf ankommt. Auch fressen die großen Pötte dermaßen viel Sprit, dass man sich fragen muss, ob ein Einsatz als Frachter sich überhaupt rentiert. Schön ist es nämlich, wenn man in ein Planetenloses System springt und auf einmal ist kein Sprit mehr da. Zum Glück kann man in solchen Fällen aber Wasserstoff aus der Korona einer Sonne "abernten",
Doch das Spiel hat auch Schwächen, welche man nicht verschweigen sollte. Verbugged ist noch sehr freundlich ausgedrückt. In der deutschen Version fehlen zum Beispiel Gesprächsteile, diese wurden einfach abgeschnitten, als sie nicht mehr ins Bild passten. Manchmal kollidiert man trotz Autopilot mit den Stationstoren beim landen oder zerschellt auf Planeten. In der Originalversion für den Amiga und PC lassen sich außerdem bestimmte Systeme nicht anfliegen.
Die GrafikDie Grafik der Amigaversion hat mir schon immer besser gefallen, als die des PCs. Zwar fehlen die Texturen bei den Schiffen, aber zumindest mich stört das nicht wirklich. Auch das Bildformat ist auf dem Amiga günstiger als auf dem PC, wo die Schiffe immer gestaucht aussehen. Auf dem Amiga sieht eine Viper hingegen richtig gefährlich aus und nicht wie frisch aus dem Crashtest.
Der TonHier kann sich die Amigaversion ganz klar vor der PC Version positionieren. Das was da aus den Boxen kracht hat wirklich Wumms. Dagegen klingen die Midivergewaltigungen aus den PC Brüllwürfeln einfach nur erbärmlich. Was sagt uns das, meine Freundin schreit lauter. *oops*
DrumherumDas Spiel kommt in einer Eurobox, ihr wisst schon. Diese großen Pappkartons, denen jeder nachweint. Im inneren befindet sich eine Referenzkarte, eine Sternenkarte, sowie drei Handbücher. Die Qualität der Bücher ist mittelmäßig bis gut. Handbuch, und Sternenguide sind recht ordentlich geschrieben, nur die Geschichten erinnern an die Feder eines zwölfjährigen SF-Freak ohne Freundin, dafür aber mit Pickeln.
Vergleich mit anderen WeltraumhandelsspielenNur ganz kurz: Gegen Privateer siegt Elite 2 bei mir zumindest recht deutlich. Gegen Teil 1, wohlgemerkt, Teil 2 kam ja erst 4 Jahre später. Das liegt hauptsächlich an der wirklich extremen Handlungsfreiheit von Elite 2. Außerdem gefällt mir die Polygongrafik von Elite 2 besser.
Elite 2 gegen X. Ok, X ist ne ganze Latte jünger, hat aber seinen Mund ganz schön weit aufgerissen, von wegen Elite Nachfolger. Leider hat der vierundzwanzigste Buchstabe des Alphabets hier total versagt. X ist einfach nur schlecht. Für jedes Produkt ne eigene Station, nur ein Schiff (bis zum Expansionpack) und Sprungtore. Wer braucht so was...?
FazitSollte es jemand nicht herausgelesen haben. Ich liebe dieses Spiel. Es ist so ziemlich der einzige Grund (zusammen mit Cinema 4D), warum mein Amiga noch bei mir steht und noch viele Jahre bei mir stehen wird. Schließlich bin ich erst im Jahre 3224.
