Topic-icon Wing Commander-Romane: Von Freedom Flight bis False Colors

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4 Jahre 7 Monate her #20445 von Arrow
Arrow erstellte das Thema Wing Commander-Romane: Von Freedom Flight bis False Colors
Im Jahr 1992 erschien der erste Roman "Freedom Flight" ("Die Befreier") aus der Feder von Ellen Guon und Mercedes Lackey in englischer Sprache, der übrigens auch der Special Edition von WC III beilag. Nach diesem Ausflug in die Firekka-Kampagne aus der WC1-Ära, in dem der Veteran Captain Ian "Hunter" St. John im Zentrum stand, folgten in den kommenden Jahren weitere Romane von William Forstchen (Fleet Action (Der Hinterhalt), End Run (Die Geheimflotte), Heart of the Tiger (Das Herz des Tigers), The Price of Freedom (Der Preis der Feiheit), Action Stations (Die Bedrohung) sowie False Colors. Ab 1994 kamen die Bände, verlegt von Bastei-Lübbe, auch in deutscher Sprache auf den Markt. Einzige Ausnahme bildet hierbei noch immer "False Colors", das damals für kurze Zeit unter dem Titel "Unter falscher Flagge" angekündigt worden war.
Möglicherweise lag der Grund für diesen ärgerlichen Rückzieher schlicht im bescheidenen Absatz der Reihe, denn kein Titel kam in Deutschland über die Erstauflage hinaus, was bei einer Nischen-Reihe innerhalb der Science Fiction-Literatur wohl nicht überrascht. Schaut man sich das gewaltige Portfolio an Star Trek-Romanen an, die im deutschsprachigen Raum von Heyse und Goldmann verlegt werden, wird schnell klar, welchen Stellenwert Wing Commander in diesem Medium einnimmt.
Inzwischen sind die Romane nur noch gebraucht erhältlich, wobei im Fall von "False Colors" schnell Mondpreise anfallen und auf eine deutsche Übersetzung verzichtet werden muss.

Welche(n) der Romane habt ihr gelesen und welcher ist eventuell euer Favorit?

Ich tue mich bei der Auswahl ziemlich schwer, denn letzten Endes gibt es eigentlich keinen schweren Ausreißer. Besonders Forstchen hat mit seinen Titeln eine größtenteils sehr kohärente Reihe erschaffen, die sich bis auf die üblichen unvermeidbaren Diskrepanzen zwischen Spiel und Roman, gut in die Spielserie einreiht und erzählerisch viele Lücken gefüllt hat, die die WC-Chronik enthält, wenn er diese nicht damit selbst erweitert hat. Interessant fand ich den Ansatz, in Fleet Action und End Run die Hauptfigur aus den Spielen, Chris Blair, überhaupt nicht auftreten zu lassen, sondern mit Jason Bondarevsky, einen Nebencharakter, in den Vordergrund zu rücken. Erst mit der Romanadaption von WC3 tauchte Blair logischerweise wieder als zentrale Figur auf, was mit "The Price of Freedom" fortgesetzt wurde, bevor Forstchen wieder zu Bear zurückkehrte und danach mit "Action Stations" einen Exkurs in die Tage des Kriegsbeginns unternommen hat. In "Fleet Action" und "End Run" ließ er auch wieder Ian St.John auftreten und setzte damit die Geschichte dieses aus dem ersten Spiel bekannten Piloten fort. Bis zum bitteren Ende.

Mit "End Run" hat Forstchen dem düstersten Kapitel der Konföderation eindrucksvoll Leben eingehaucht. Ohne die Ereignisse des Falschen Friedens ergäbe das Szenario eines WC3 und eines WC Saga wohl kaum einen Sinn. Interessanterweise tauchen hier weder Blair noch Maniac auf. Der größte Verdienst William Forstchens besteht aber sicher darin, den Kilrathi eine Seele und einen richtig ausgearbeiteten ethnologischen Hintergrund verpasst zu haben. Das meiste, was wir über die Kilrathi, deren Kultur sowie über ihre Clan-Gesellschaft wissen, verdanken wir zu einem Großteil den Romanen Forstchens. Was haben Aginor und ich hier im Forum nicht schon über die Feinheiten der Kilrathi-Gesellschaft diskutiert und in wilder Beckmesserei die Widersprüche in den Romanen Forstchens dazu aufgezählt? In meine Augen sind die Kilrathi - gerade dank der Romane - eine wesentlich glaubwürdigere Spezies als viele außerirdische Kulturen, die uns in Star Trek aufgeboten wurden. Gerade die Klingonen erscheinen demgegenüber nur noch wie eine Bande aggressiver Hohlköpfe, denen ich einfach kein interstellares Imperium zutrauen kann. So kam bereits im ersten Roman von Lackey und Guon "Hobbes" Überläufertum zu seinem Recht, und gerade die Zukunft seines Lehnsmanns Kirha sollte in "Fleet Action" und "End Run" aufgegriffen werden, was ich sehr interessant fand.
Natürlich verdienen sämtliche Romane, wie auch die WC-Serie ansich, keinen Innovationspreis. Fast alle Handlungsaspekte könnte man unter US-amerkanischem Vorzeichen ebenso in ein stellenweise fiktives pazifisches Seekriegsszenario des Zweiten Weltkriegs verlegen. Darin habe ich allerdings noch nie einen ernsthaften Kritikpunkt gesehen, denn fast alle großen SciFi-Szenarien bedienten sich munter unserer Geschichte oder z.T. auch derer Mythologie. Die WC-Romane setzten diese Tradition gemäß der originalen Spielserie nur konsequent fort und tun gut daran. Selbstverständlich bleibt das US-amerikanische Vorzeichen bestehen: Wing Commander war und ist trotz aller interkulturellen Einflüsse stets ein streng amerikanisiertes Universum gewesen. Gerade Forstchen war es aber, der in seinen Romanen viele britische und auch deutsche Referenzen eingebaut hat. Der größte Feldherr der Konföderation ist ohnehin schon immer der Brite Geoffrey Tolwyn (auch in den Spielen) gewesen, während Hans Maximilian Krügers Herkunft zweifelsfrei auf deutschsprachige Nationen verweist. Mit dem russisch-stämmigen Bondarevsky wurde die Terranische Konföderation ohnehin wahrhaft transatlantisch angehaucht, was kurz nach dem kalten Krieg wohl einfach notwendig war, um eine geeinte Erde halbwegs glaubhaft darzustellen. Vom Aussi "Hunter" wollen wir gar nicht erst anfangen, und natürlich kommen in den Romanen (und den Spielen) auch japanisch - sowie chinesisch-stämmige Charaktere vor, obwohl Aspekte der Kilrathi-Kultur nicht ohne gewisse Rückgriffe auf Nippons Geschichte oder Gesellschaft erklärbar sind.
Wer nach Widersprüchen und Unvereinbarkeiten zwischen den Romanen und den Spielen Ausschau hält, wird sie zweifelsohne finden. Im Falle von Ungereimtheiten bleiben die Spiele sowie deren teils umfangreiche Handbücher weiterhin Referenz, aber gundsätzlich wurde mit den WC-Romanen der Kanon mächtig unterfüttert, und wie bereits gesagt, zum Teil auch mitgeschrieben: Figuren wie Kevin Tolwyn, Kirha oder Baron Jukaga nar Ki´ra sind inzwischen aus WC nicht mehr wegzudenken.

Eine Besonderheit innerhalb der Romanreihe stellt in meine Augen die Adaption von WC3 dar. Jede Form von dichterischer Freiheit war für den "Roman zum Spiel" natürlich außerordentlich begrenzt. Selbstverständlich waren bestimmte Eckpunkte der Geschichte klar vorgegeben: Jeder Leser weiß freilich, dass Chris Blair, nachdem er vom Tod Angels erfahren hat, nach seinem Saufexzess in der Bordbar nicht an einer Alkoholvergiftung sterben wird. Dennoch war der Roman sehr spannend, obwohl (möglicherweise auch gerade weil) sich der Autor immer an die Missionsstruktur des Spiels halten musste. Letztlich erfahren wir Leser hier auch, weshalb Hobbes am Ende zum Verräter wurde, da eine entfallene Szene aus dem Spiel hier selbstverständlich erzählt wurde. In meinen Augen ist dies sicherlich einer der besten Romane, die je zu einem Spiel verfasst wurden. Wer´s nicht glaubt, lese im Vergleich dazu einfach mal das, was derzeit unter dem Namen Doom 3 gedruckt wird.

In "The Price of Freedom" ging es mit Chris Blair konsequent weiter, wobei erst der Roman richtig anschaulich machte, wie sehr das ehemalige Herz des Tigers unter seinem begangenen Genozid zu leiden hatte. Ein wenig übertrieben haben es die Romanautoren hier in meine Augen mit den vielen Star Wars-Referenzen, die sich ja gerade in der Figur Blair (und wer spielt den wohl?) verdichteten: Musste man ihn denn tatsächlich zum Feuchtfarmer auf einem Wüstenplaneten machen? Ok, bereits das Spielskript muss dieser Idee Pate gestanden haben, denn als Farmer wird Blair im Spiel ja auch von Maniac spöttisch bezeichnet. Vom Farmer (wieder) zum Kampfpiloten bestellt, muss Blair auch im Roman zu WC4 der Verschwörung der kriegstreiberischen Hardliner innerhalb der Konföderation auf die Schliche kommen. Forstchen schildert in diesem Buch den Fall des Admiral/Marsschall Tolwyn vom Retter der Konföderation zum manischen Faschisten noch wesentlich glaubwürdiger und hintergründiger als im Spiel, wo Malcolm McDowell in einer denkwürdigen Sequenz in schwarzer Uniform schließlich seinen Übertritt zur "dunklen Seite" unter einer stilisierten SS-Rune schließlich mit einer fast schon karrikaturistischen Blut-und-Boden-Rede an seine Gentreuen zelebrierte. Das kanonische Ende dieses einst großen Mannes nahm mich im Roman sogar noch etwas mehr mit als im Spiel, obwohl sich solche Erlebnisse in Spiel und Roman immer nur sehr schwer miteinander vergleichen lassen.

Ein Wort zu Todd "Maniac" Marshall, einer der Kultfiguren von Wing Commander schlechthin: Ich finde seine Darstellung in den Romanen zu WC3 und WC4 wesentlich würdiger und vor allem auch glaubwürdiger als in den entsprechenden Spielen, wo er spätestens seit WC4 als reine Witzfigur auftreten musste, bevor ihm in Prophecy dann endgültig die Rolle des Volltrottels in billigster Slapstick-Manier zukam. Erst nach Prophecy scheint man sich wieder seiner zu besinnen und ihn halbwegs zu rehabilitieren. Während man in den Spielen das schwachsinnige Konzept des "ewigen Majors" auf die Spitze getrieben hat, wird Maniac im Roman von WC4 immerhin befördert, und er macht eine Entwicklung durch, die im Spiel viel zu kurz kommt. Dort darf er in der Endsequenz nämlich nur die "Klappe halten" und beschämt Schmiere stehen, während Blair mit seinen Flugschülern abhebt. So behandelt man einfach niemanden, der seit den Anfangstagen auf der Tiger´s Claw mit dabei ist. Seine spätere Beförderung zum Geschwaderführer in Prophecy diente dann doch nur dazu, ihn umso mehr als Trottel auflaufen zu lassen. Aber Prophecy ist eh eine andere Geschichte, der ich mich auch mal widmen muss.

Welcher Roman ist nun der Beste? Ich kann es nicht sagen, denn letzten Endes sind alle dramaturgisch miteinander verbunden. Allenfalls "Action Stations" fällt hier durch seine chronologische Entrückung aus der Reihe. Hier führt Forstchen rückblickend viele spätere Handlungsstränge wieder zusammen, was vielleicht nicht vollständig der Chronologie aus dem "Victory Streak" entspricht. Zu streng sollten wir an dieser Stelle mit den Romanen auch nicht sein. Letzten Ende verdanken wir ihnen doch vieles!

"Ich würde immer eine Maschine bevorzugen, die um einen schweren Jäger Kreise fliegen kann, wenn es sein muss.“ Alec "Ninja" Crisologo, Wing Commander Saga

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4 Jahre 7 Monate her #20446 von Deepstar
Deepstar antwortete auf das Thema: Wing Commander-Romane: Von Freedom Flight bis False Colors
Habe die sechs auf den Spiel basierende Bücher auf Deutsch. Sind glaub ich alle die es auf Deutsch auch gibt, ich kann zwar englisch, aber Englische Bücher reizen mich tatsächlich nicht so wirklich. Ich habe selbst von meinen Freespace Geschichten bisher nur eine einzige auf Englisch übersetzt, der Rest ist alles deutsch zu einem Spiel dessen Community 99,5% aus der englischen Sprache besteht :D . So ist eben das Leben ^^.

Tatsächlich habe ich von den sechs bisher nur zwei gelesen. Die Bedrohung und die Befreier.

Die Befreier fand ich jetzt ehrlich gesagt nicht so überragend, was auch in der Kürze des Buches begründet liegt... sicherlich basiert diese auf die Secret Missions 2 und füllt das AddOn mit ein paar Hintergrundsachen. Aber so wirklich begeistert war ich von diesem Buch nicht, da ich es irgendwie etwas zu sprunghaft liest und irgendwie ein paar Szenen nicht die nötige Zeit gibt. Die Firekka werden hier als Hauptschauplatz in meinen Augen nicht gut genug beleuchtet, die Geschichte mit Hunters Diener wirkt für mich irgendwie auch nicht so wirklich überzeugend. Ich weiß nicht, mir hat das Buch leider nicht soviel gebracht um die Ereignisse bei SM2 und der Person Hunter sowie Hobbes oder eben der Kilrathi Kultur irgendwie mit deutlich mehr Leben zu erfüllen.

Die Bedrohung fand ich da ehrlich gesagt schon deutlich besser. Liegt vielleicht auch tatsächlich daran das sich das Buch eben viel mehr Zeit lässt bei den einzelnen Sachen. Die Kultur der Kilrathi wird deutlich mehr beleuchtet wie auch das große Ganze auf menschlicher Seite bekommt eben VIEL mehr Hintergrund. Sicherlich hat der Ablauf der Geschichte, wie in vielen Rezensionen treffend vermerkt, den Grundgedanken von Pearl Harbour, aber das ganze drumherum ist eben deutlich gehaltvoller und in meinen Augen auch interessanter als die persönlichen Wehwechen vom jungen Tolwyn.


Die anderen kenne ich alle noch nicht :) . Die werden im Laufe der nächsten Jahre mal gelesen :) . Schiebe ich mir schon zwei Jahre vor mir her seitdem ich die Bücher habe, quasi wie die Serie Wing Commander Academy die ich schon seit glaub ich 4 Jahren auf meiner Festplatte habe, aber bis auf die ersten 5 Minuten der ersten Folge noch keinmal angesehen habe :D .

Und die entfallene Szene bei Wing Commander 3 fehlte nur in der PC Version aus Platzgründen, wer die PSOne Version kennt, hat da also keinen Nachteil gegenüber dem Roman. Wobei ich persönlich denke ich, nachdem was ich gehört habe, den Roman zu Wing Commander IV wahrscheinlich interessanter finden werde, eben wegen der künstlerischen Freiheit, Wing Commander 3 als Textform nacherzählt zu bekommen klingt nicht so spannend. Aber da lasse ich mich mal überraschen. Gespielt habe ich prinzipiell die letzten Wing Commander 3 Durchläufe immer nach den Fakten die ich aus dem Roman mal aufgeschnappt habe, Biowaffen auf Locanda einschlagen lassen, Hobbes verfolgen und umbringen und mir nach Angels Tod die Birne zuknallen und besoffen fliegen (Horrormission :D ). Wobei ich mir beim letzten nicht so sicher bin ob das im Roman so ist, würde irgendwie nen Highlight vom Spiel fehlen wenn man die Mission regulär fliegt ^^.

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4 Jahre 7 Monate her #20447 von Triple
Triple antwortete auf das Thema: Wing Commander-Romane: Von Freedom Flight bis False Colors
ich muss hier mal eine lanze für maniac brechen.

also ich persönlich finde ja, dass er in wc1 als totaler idioten dargestellt wird. dort ist er ein suizid gefährdeter, psychisch labiler pilot der von albträumen geplagt ist, jede gelegenheit nutzt den gegner zu rammen und die meiste zeit in der krankenstation verbringt. eben ein totaler spinner. genau das ist maniac aber eigentlich gar nicht. er ist ein pilot der riskant fliegt, dabei aber sehr erfolgreich ist. das macht ihm zum "irren" aus, nicht sein sozialverhalten.

in wc2 konnte ich maniac schon ernster nehmen, dort entwickelt er sich langsam zum maniac den wir kennen.

in wc3 fand ich ihn ehrlich gesagt zu langweilig portraitiert. er hatte dort schon die züge aus dem wc4, nämlich die das er überheblich und arrogant war. der humor hat an vielen stellen aber gefehlt und naja, irgendwie wirkte er für mich zu eindimensional.

in wc4 fand ich seine rolle am besten gespielt. er wirkte arrogant, überheblich, lustig aber in bestimmten situationen auch sehr nachdenklich und ernsthaft ( beim tot von vagabond z.b.). das zeigt das er kein totaler idiot oder hampelmann ist.

in prophecy war ich stark überrascht über sein verhalten. er wirkte mir von seinen charakterzügen zu überspitzt. anfangs war ich auch verwirrt, dass er casey so stark mobbt nur weil er ein grünschnabel ist. eine vergleichbare situation hatten wir ja in wc4 mit catscratch, hier hat maniac nicht permanent auf ihn eingehackt, im gegenteil er gibt dem neuling sogar flugtipps! vermutlich lag das aber daran, dass blair als "vorgesetzter" immer präsent war und maniac hat sich nur nicht getraut catscratch rund zu machen? naja, jedenfalls habe ich mir das immer so eingeredet.

dennoch wird auch maniac in prophecy ernsthafter dargestellt, sofern sich eine ernste oder bedrohliche lage einstellt, etwa dann, als maniac einen piloten verloren hat und sich die birne vollkippt. hier zeigt sich wieder sein wahrer charakter. es scheint so, als sei maniac ein emotionaler und guter mensch und kein totaler vollidiot wie in wc1. vermutlich ist sein arrogantes verhalten einfach nur eine fassade, weil er in wirklichkeit wenig selbstbewusstsein hat bzw. einfach zu emotional ist?

edit: ach ja, bezüglich des dauerwitzes des ewigen majors. ich find es ebenso fatal, dass blair der ewige colonel ist. nach wc 2 hat er ja seinen alten rang als colonel wiederbekommen,der ihn genommen wurde wegen des "verrats". in wc3 sprengt der gute blair einen ganzen planeten weg, beendet damit den 30 jährigen krieg und wird nicht befördert??? er hätte nach der aktion schon commodore gewesen sein müssen.

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4 Jahre 7 Monate her #20448 von Arrow
Arrow antwortete auf das Thema: Wing Commander-Romane: Von Freedom Flight bis False Colors

Deepstar schrieb: Die Bedrohung fand ich da ehrlich gesagt schon deutlich besser. Liegt vielleicht auch tatsächlich daran das sich das Buch eben viel mehr Zeit lässt bei den einzelnen Sachen. Die Kultur der Kilrathi wird deutlich mehr beleuchtet wie auch das große Ganze auf menschlicher Seite bekommt eben VIEL mehr Hintergrund. Sicherlich hat der Ablauf der Geschichte, wie in vielen Rezensionen treffend vermerkt, den Grundgedanken von Pearl Harbour, aber das ganze drumherum ist eben deutlich gehaltvoller und in meinen Augen auch interessanter als die persönlichen Wehwechen vom jungen Tolwyn.


Naja, das Buch ist auch wesentlich dicker als "Die Befreier", und Forstchen hat sich hier wirklich sehr viel Zeit genommen, um die Geschichte zu entwickeln. Liegt sicherlich auch daran, dass es dort neben der Handlung um Tolwyn auch noch den Plot um Krüger gibt sowie die Kilrathi-Perspektive, die sich im Verlauf dann überschneiden. Der offizielle Kriegsbeginn wird hier aus allen möglichen Blickwinkeln geschildert. Die Kilrathi-Kultur scheint tatsächlich das Steckenpferd des Autors zu sein und hat in all seinen Romanen (vor allem Fleet Action und End Run) große Priorität, was ich persönlich sehr interessant fand. Die Pearl Harbor-Parallele ist allerdings nicht auf Forstchens Mist gewachsen, sondern wird ja bereits in der Chronik vom Victory Streak mehr oder weniger exakt so geschildert - mit dem Unterschied, dass Tolwyn dort schon Captain ist und der Krieg schon offiziell erklärt wurde.

Deepstar schrieb: Die anderen kenne ich alle noch nicht :) . Die werden im Laufe der nächsten Jahre mal gelesen :) . Schiebe ich mir schon zwei Jahre vor mir her seitdem ich die Bücher habe, quasi wie die Serie Wing Commander Academy die ich schon seit glaub ich 4 Jahren auf meiner Festplatte habe, aber bis auf die ersten 5 Minuten der ersten Folge noch keinmal angesehen habe :D .

Na dann wird´s aber höchste Zeit. Auch Academy kann man sich wirklich anschauen, wobei ich persönlich die ganze Geschichte der Zeichentrickserie eher als nicht-kanonisch betrachte. Commodore Tolwyn fliegt also mit einer Handvoll "Elite-Piloten" frisch von der Flugausbildung(!) und der Claw eine Art Privatkampagne? Genau so wirkt es jedenfalls. Wie gesagt, man kann sich die Serie aber antun, ohne dass es weh tut. :)

Triple schrieb: ich muss hier mal eine lanze für maniac brechen.
also ich persönlich finde ja, dass er in wc1 als totaler idioten dargestellt wird. dort ist er ein suizid gefährdeter, psychisch labiler pilot der von albträumen geplagt ist, jede gelegenheit nutzt den gegner zu rammen und die meiste zeit in der krankenstation verbringt. eben ein totaler spinner. genau das ist maniac aber eigentlich gar nicht. er ist ein pilot der riskant fliegt, dabei aber sehr erfolgreich ist. das macht ihm zum "irren" aus, nicht sein sozialverhalten.

in wc2 konnte ich maniac schon ernster nehmen, dort entwickelt er sich langsam zum maniac den wir kennen.

in wc3 fand ich ihn ehrlich gesagt zu langweilig portraitiert. er hatte dort schon die züge aus dem wc4, nämlich die das er überheblich und arrogant war. der humor hat an vielen stellen aber gefehlt und naja, irgendwie wirkte er für mich zu eindimensional.


Ich denke, sein prahlerisches, arrogantes Verhalten hat sich aus der Konkurrenz zu Blair entwickelt. Seit den Tagen auf der Akademie sind die beiden ständige Rivalen, wobei Maniac am Ende immer den Kürzeren gezogen hat. In den Spielen wurde er recht schnell von Blair auf der Karriereleiter überholt, und auch bei den Frauen (Angel) hatte sein Rivale die Nase vorn. Sein ganzes aufgeblasenes Verhalten ist vermutlich nur seine Art und Weise, sein Minderwertigkeitsgefühl gegenüber Blair zu kompensieren. Seine guten Flugleistungen und sein unerschütterliches Glück im Cockpit haben sicherlich dazu beigetragen. Besonders deutlich wird das wieder in WC3, wo ihm sein alter Rivale erneut vor die Nase gesetzt wird. Die Romanfassung liefert hierzu übrigens einige aufschlussreiche Zusatzinformationen: Vor Blairs Versetzung auf die Victory war Maniac nach dem Tod des früheren Geschwader-COs und der Versetzung von Hobbes zum Linienoffizier (XO) amtierender Geschwaderführer gewesen. Mit Blairs Übernahme des Kommandos und Hobbes Wiedereinsetzung als Pilot und Nummer 2 blieb für Maniac nicht einmal mehr der Posten als Vize übrig. Darüber hinaus hat sich Blair auch noch seine Thunderbolt zuweisen lassen, da Privileg des Wing Commanders, und mehr kann sich jemand wohl kaum geschasst fühlen. Entsprechend gibt sich Maniac natürlich besonders großmäulig und frech gegenüber Blair, der ihn deshalb auch gleich zurechtweist ("Ich habe genug Majors, die das für mich tun."). Klar, Maniac ist freilich auch irgendwo als witzige Figur im Spiel vorgesehen, um das sehr ernste Szenario etwas aufzulockern. Mit Tom Wilson hat man sicher nicht ohne Grund einen begnadeten Komiker für die Rolle gecastet.

Triple schrieb: in wc4 fand ich seine rolle am besten gespielt. er wirkte arrogant, überheblich, lustig aber in bestimmten situationen auch sehr nachdenklich und ernsthaft ( beim tot von vagabond z.b.). das zeigt das er kein totaler idiot oder hampelmann ist.


Gerade seine nachdenklichen, ja fast depressiven Szenen in WC4 fand ich große Klasse. Hier konnte man förmlich spüren, wie die Maske des selbstsicheren Fliegerasses anfing zu bröckeln und stattdessen ein Veterean zum Vorschein kam, der nach dem vermeintlichen Seitenwechsel und dem Tod alter Kameraden aus den Kriegszeiten seinen sicheren Halt verliert. Gerade die Szene nach Vagabonds Tod bleibt hier in bester Erinnerung. Der große Glückspilz des Cockpits hat einen anderen Glückspilz beim Kartenspiel überraschend besiegt, woraufhin dieser plötzlich ums Leben kommt. Maniac fühlt sich hierfür regelrecht verantwortlich und fürchtet vielleicht auch um das Ende seiner langen Glückssträhne. Zu schade, dass Blair diese Szene am Ende so sehr ins Spöttische ziehen musste, denn offenbar war kein Platz mehr für längere Dialoge verfügbar, die man hier wunderbar hätte entwickeln können.

Triple schrieb: in prophecy war ich stark überrascht über sein verhalten. er wirkte mir von seinen charakterzügen zu überspitzt. anfangs war ich auch verwirrt, dass er casey so stark mobbt nur weil er ein grünschnabel ist. eine vergleichbare situation hatten wir ja in wc4 mit catscratch, hier hat maniac nicht permanent auf ihn eingehackt, im gegenteil er gibt dem neuling sogar flugtipps! vermutlich lag das aber daran, dass blair als "vorgesetzter" immer präsent war und maniac hat sich nur nicht getraut catscratch rund zu machen? naja, jedenfalls habe ich mir das immer so eingeredet.

dennoch wird auch maniac in prophecy ernsthafter dargestellt, sofern sich eine ernste oder bedrohliche lage einstellt, etwa dann, als maniac einen piloten verloren hat und sich die birne vollkippt. hier zeigt sich wieder sein wahrer charakter. es scheint so, als sei maniac ein emotionaler und guter mensch und kein totaler vollidiot wie in wc1. vermutlich ist sein arrogantes verhalten einfach nur eine fassade, weil er in wirklichkeit wenig selbstbewusstsein hat bzw. einfach zu emotional ist?


Die ernsthaften, nachdenklichen Szenen um Maniac in Prophecy fügen sich, finde ich jedenfalls, fast nahtlos an sein Verhalten in WC4. Hier kommt allerdings noch ein ganz entscheidender Faktor hinzu: Unser Toppass wird hier in Gegenwart der vielen jungen und unbedarften Piloten schlicht und ergreifend mit seinem Alter konfrontiert. Dass Casey auch noch der Sohn eines alten Fliegerkameraden ist, fügt sich perfekt in dieses Bild: Hier werden Erinnerungen an die alten Tage auf der Tiger´s Claw wieder lebendig. Umso mehr gefällt sich Maniac natürlich in seiner Rolle als Fliegerlegende, der nichts und niemand etwas anhaben kann, und entsprechend ekelhaft begegnet er zuerst Casey und seinen Freunden, die noch nichts geleistet haben. Sein Versagen als Geschwaderkommandant und Führungspersönlichkeit - für ihn, den gewohnten Einzelkämpfer und Überlebenskünstler eine völlig neue Erfahrung - lässt die Fassage erneut abfallen und zeigt einen Mann, der sich damit auseinandersetzen muss, dass er immer aus allen brenzligen Situationen mit heiler Haut entkommen konnte, während andere Piloten um ihn herum dafür fallen wie die Fliegen. Dieses Mal wird er jedoch von der CAG persönlich dafür mit verantwortlich gemacht, und diese Form der Verantwortung für andere kennt er schlicht nicht. Unter all den jugendlichen Piloten muss er sich fragen, ob er nicht am Ende doch nur ein elender Glückspilz ist, der nur von seinem Ruf zehrt. Hier erscheint er zum ersten Mal als verbrauchter, alter Pilot, der sich einsam fühlt, da seine alten Freunde und Kameraden aus dem Krieg alle gefallen sind.

So großartig ich diese Szenen auch finde, so stören mich zwei Dinge daran, die man vermutlich besser gelöst hätte, wenn Casey als Hauptfigur nicht im Vordergrund gestanden wäre. Mich stört es, dass Maniac sein Herz ausgerechnet dem "Jungfuchs" gegenüber ausschütten musste. Und wieso hat man diese sehr persönlichen Szenen immer dafür genutzt, Maniac vor den jungen Piloten der Lächerlichkeit preiszugeben? Dass er am Ende sogar in Caseys Schuld steht, passt einfach nicht so recht. Hier hätte man ihm eine reifere Vertrauensperson zur Seite stellen sollen, und welcher wäre dafür besser geeignet gewesen als Chris Blair? Man hätte alle Rivalitäten zwischen den beiden in diesem Spiel ein für allemal begraben können, da es dafür ohnehin keine Grundlage mehr gibt. Blair ist nicht mehr Kampfpilot und die Karriereleiter als Linienoffizier hinaufgestoßen worden. Während Maniac immer noch aktiv fliegt, ist Blair zum Zuschauer und Berater verdammt. Beide stehen sich einfach nicht mehr als Konkurrenten gegenüber, und hier hätten sie endlich einmal über ihren Schatten springen müssen. Stattdessen ist Blair die meiste Zeit völlig "ungenutzt" und darf sentimental Löcher in die Gegend starren. Der Teufel steckt eben im ganzen Konzept, denn Blair und Maniac sind in Prophecy nur noch Randfiguren eines Spiels, das den Generationenwechsel probt. Trotzdem hätte man beide würdiger behandeln können, denn für mich sind die beiden und ihre Identitätsproblematik die geheimen zentralen Aspekte des Spiels. Beide sehen sich mit ihrem fortgeschrittenen Alter konfrontiert und blicken auf ihr vergangenes Leben zurück: Der eine darf nicht mehr und der andere befürchtet, dass er möglicherweise nicht (mehr) kann oder sogar nie richtig konnte.
Zwischen den beiden steht eigentlich nur der verbitterte Hawk, der sich als Vertrauensperson für Maniac aber überhaupt nicht eignet. Er kann ihn nicht ausstehen und hält ihn nur für einen überheblichen Schwätzer. Des Weiteren ist er viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt und wird von den Dämonen der Vergangenheit geplagt. Bei jeder Gelegenheit stichelt er gegen Maniac und lässt ihn vor versammelter Mannschaft auflaufen. Auch hier hätte sich Blair vermittelnd einschalten können, aber das Drehbuch lässt ihm keine Möglichkeit. Erst am Ende schlägt die große Stunde für die beiden alten Hasen. "Wie in alten Zeiten" dürfen beide noch mal Seite an Seite in den Krieg ziehen, wonach der eine nicht zurückkehrt und der andere wohl zum Alkoholiker degenerieren dürfte. Hier findet das Spiel ja wieder zum ernsten Grundton zurück, was aber sicher daran liegt, dass uns das Schicksal Blairs einfach wichtiger ist als Casey, der für die Abschiedsszene mit Stiletto Schmiere stehen darf.
Anstatt Blairs und Maniacs Charaktere besser zu erkunden, werden beide am Ende regelrecht geopfert. Blair taucht nie mehr auf und Maniac dürfte nun völlig vereinsamt sein. Anstatt Maniac würdiger zu behandeln, enden all seine wichtigen Szenen in Prophecy zu sehr in komischen Slapstick-Sch(m)erzen auf seine Kosten. Natürlich muss er sich wieder einen Drink ins Gesicht schütten lassen und muss einem Jüngling wie Casey seine Misserfolge bei Frauen eingestehen. Er und Rachael Coriolis haben übrigens keine einzige gemeinsame Szene von Bedeutung, obwohl beide zusammen auf der Victory gedient hatten. Das hätte man einfach besser gestalten können. Dass Maniac ein zutiefst emotionaler Mann ist, steht außer Frage. Seine Probleme sind in Prophecy aber größtenteils nur der Aufhänger für lustige Momente, bei denen er am Ende immer als der Dumme dasteht.
Ich finde, man hat in Prophecy ein wenig aus den Augen verloren, dass man hier nicht nur eine neue Generation einführt, sondern auch die Protagonisten einer großen Reihe verabschiedet. Mögliche Fortsetzungen des Szenarios sind da eigentlich keine Entschuldigung, jeder Titel kann der letzte Sein. Ich habe eigentlich schon damals nicht an eine Fortsetzung geglaubt. Die Zeit der Spiele mit interaktivem Film war praktisch schon abgelaufen.

"Ich würde immer eine Maschine bevorzugen, die um einen schweren Jäger Kreise fliegen kann, wenn es sein muss.“ Alec "Ninja" Crisologo, Wing Commander Saga

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4 Jahre 1 Monat her #22260 von Arrow
Arrow antwortete auf das Thema: Wing Commander-Romane: Von Freedom Flight bis False Colors
Ich denke, es wird Zeit, den Thread wieder zum ursprünglichen Thema zurückzuführen. Ich habe mir vor einigen Tagen bei einem großen Onlinehändler eine gebrauchte Ausgabe von "Die Befreier/"Freedom Flight" geordert, nachdem ich mein letztes Exemplar vor Jahren mal an den Falschen verliehen hatte. Zum Glück wurden mal die Preise gesenkt, bzw. neue Exemplare angeboten, denn ich zahle schlicht keine 15-20€ für uralte SciFi-Gebraucht-Taschenbücher. Für 3€ + Versandkosten habe ich dann doch zugeschlagen, und das Buch ist in dem Zustand, den man dafür erwarten darf. Weiß ist das Papier nach so vielen Jahren jedenfalls nicht mehr, aber der Einband ist noch OK. Hat ja über zehn Jahre gedauert, bis die Erstausgaben der dt. WC-Romane abverkauft waren. Trotzdem dürfte Bastei-Lübbe wohl keine zweite Auflage anstreben, was natürlich schade, aber verständlich ist. Die Wing Commander-Romane sind eben nicht Timothy Zahns "Thrawn-Trilogie", die dieses Jahr in einer Neuauflage wieder in den Bücherregalen steht. Bei dem vielen Schund, den man bisweilen bei den Buchhändlern (gerade in Bahnhöfen) findet, kann man sich schon die Augen reiben, aber WC war im deutschsprachigen Raum sicher kein Verkaufsschlager. Ich hoffe ja immer noch auf eine Neuauflage der Serie in digitaler Form, was vergleichsweise kostengünstig zu bewerkstelligen wäre, aber da muss sich wohl noch eine Menge auf dem Buchmarkt tun. Abwarten...

Zurück zum Buch: "Die Befreier" ist der einzige Wing Commander-Roman, an dem William Forstchen nicht beteiligt war, und erschien 1992, also knapp zwei Jahre nach dem ersten Wing Commander. Die dt. Version erschien erst ´94 im Erscheinungsjahr von WC3. Die Autorin Mercedes Lackey scheint wohl eine sehr bekannte amerikanische Fantasy-Autorin zu sein, von der ich allerdings noch nichts gelesen habe. Die Handlung spielt während der "Firekka-Kampagne" aus den Secret Missions von WC1, und die Autorin hat sich mit Captain Ian "Hunter" St.John eine durchaus charismatische Figur aus Wing Commander ausgesucht.

Ich habe den Roman jetzt erst wieder zu zwei Dittel durchgelesen, aber ich verstehe natürlich die oben geäußerte Kritik daran. Ja, der Roman ist einfach etwas zu kurz geraten, da hätte man sich mehr Zeit lassen können. Etwas gehetzt stolpern Plot und Szenen nach vorn, was oft viele Leerstellen oder offene Fragen hinterlässt. Dialoge sind extrem kurz gehalten und beschränken sich darauf, die anderen Piloten der Tiger´s Claw mehr als Typen, denn als richtige Figuren zu zeichnen: Hunter ist der lebensfrohe, dem Alkohol zugeneigte Lebemann, der von militärischer Disziplin wenig hält, Angel die gute Seele des Geschwaders, Iceman der routinierte Pilot für alle Fälle, Bossman der (leider früh) Heldentote, Maniac der vorlaute Irre, und Blair taucht praktisch nicht auf. Hastig stößt die Geschichte vorwärts, obwohl man so viel hätte erzählen können und die Handlung für die spätere WC-Chronik doch so wichtig ist, denn immerhin läuft Ralgha nar Hhallas mit seinem Schiff zu den Menschen über und bringt mit seinem Lehensmann Kirha einen wichtigen Romancharakter gleich mit. Die Raumkämpfe nehmen einen wichtigen Stellenwert ein, sind aber meist genauso schnell beendet wie in den folgenden Romanen von Forstchen. Vieles hätte man weiter ausbauen, vielen Figuren mehr Erzählzeit gönnen können, denn sehr flott ist das Büchlein durchgelesen und alles vorbei. Trotzdem will ich nicht zu hart mit der Autorin und ihrem Roman ins Gericht gehen, denn den "Erstlingsbonus" räumt Lackey definitiv ab. Wer weiß, wie viel Zeit sie für das Verfassen des Buches hatte, wo doch Romane zu Spielen schon immer recht anspruchslose Auftragswerke der Verlage waren. Und wer kann schon sagen, ob weitere Romane überhaupt geschrieben worden wären, hätte sie nicht den Anfang gemacht? Mit dem Wissen aller Spiele und sämtlicher Romane des WC-Universums bei der Hand, kann man sowieso nur schwer urteilen. Die Passagen über die Kilrathi-Kultur, die ihr Nachfolger Forstchen erst richtig ausbaute, musste Lackey auf Basis von einem Computerspiel schreiben, was sicher nicht ganz leicht war. Vieles davon taucht später wieder auf, und während Forstchen seine folgenden zwei Romane zwischen den Teilen von WC ansiedelte, hatte Lackey die Handlung des Addons im Nacken. Dass es kleinere Widersprüche zu Spiel und späteren Romanen gibt, kann man der Autorin sicher nicht zum Vorwurf machen, und grundsätzlich finde ich den Roman wesentlich besser als seinen Ruf. Hier beginnt es nunmal, und das gar nicht mal schlecht.

"Die Befreier" ist der einzige Roman, der während der guten, alten WC1-Ära spielt, also in den späten 2650er-Jahren. Wer in die Romane von WC, die zum allergrößten Teil kanonisiert sind, einsteigen will, kommt um dieses Werk nicht herum. Viele klassische Schiffe und Jäger aus dieser Zeit haben hier ihren Auftritt, und für Action ist gesorgt. Dass die Dogfights kurz und knackig erzählt sind, zieht sich ohnehin durch alle späteren Romane, obwohl dies das Spielerlebnis natürlich nicht widerspiegelt. Wer möchte aber schon seitenweise und redundant von Kurvenkämpfen und nachlassenden Schilden lesen, wenn dafür die Spiele selbst da sind? Insgesamt geht es bei den Nachfolgern aus der Feder von William Forstchen schon etwas realistischer zu, wo besonders in seiner WC3-Adaption die Kämpfe gegen Kilrathi-Jäger eine schwere Herausforderung sind und eine einzelne Vaktoth einer Thunderbolt heftigste Probleme bereitet. Bei Lackeys "Die Befreier" geht es da etwas "leichter" zu. Da darf Hunter mit seiner Rapier mal schnell einer Fralthi mit zwei Dumbfires und einer IR-Rakete ins Triebwerk den Rest geben. Hier darf man einfach nicht so streng sein und kann sich das Erzählte immerhin mit viel Fanblut noch halbwegs zusammenkonstruieren.
Für Kontinuität ist gesorgt: Pilot Hunter taucht in späteren Romanen wieder als wichtige Figur auf, wobei sein Charakter besser beleuchtet wird, und auch die Firekkaner bekommen wieder ein paar Gastauftritte. Die Terranische Konföderation wird später allerdings ihrem Namen alle Ehre machen, denn von anderen Spezies in ihren Reihen liest man dann nichts mehr. Eine verpasste Gelegenheit.
Für jeden, der sich für die Kilrathi-Gesellschaft interessiert, finden sich auch in diesem Roman viele interessante Szenen, die aber leider immer nur sehr knapp bleiben. Dass Ralgha nar Hhallas nur ein psychisch konditionierter Doppelagent war, konnte damals natürlich noch niemand ahnen, aber dennoch sind seine Szenen im Roman äußerst interessant. Ich kann den Roman trotz aller Schwächen nur empfehlen. Hier beginnt es und wird danach noch besser.

Wer interessiet ist und den Roman für ein paar Euro abgreifen kann, sollte es echt tun. Wirklich meckern kann ich ansonsten nur über das schlampige Lektorat, das viele Tippfehler und falsche Namen übersehen hat, sowie die teils falschen Übersetzungen mancher Begriffe von seiten des Übersetzers. Der Blödsinn mit "Schwadron" anstelle von "Staffel" oder gar "Geschwader" (je nach Kontext) wird leider fortgesetzt werden und lässt mir weiterhin stets Fangzähne wachsen...
Das hier ist natürlich beileibe keine Rezension, aber wenn ich eine Wertung abgeben müsste, wären das knappe drei "Erklärblairs" von fünf möglichen. :D

"Ich würde immer eine Maschine bevorzugen, die um einen schweren Jäger Kreise fliegen kann, wenn es sein muss.“ Alec "Ninja" Crisologo, Wing Commander Saga

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3 Jahre 1 Monat her #26297 von Arrow
Arrow antwortete auf das Thema: Wing Commander-Romane: Von Freedom Flight bis False Colors
Endlich kann ich das Thema hier fortsetzen. Der letzte Roman aus der Feder von William Forstchen, nämlich Wing Commander - "False Colors", hat mir all die Jahre in meiner Sammlung immer gefehlt. Seit gestern liegt das Buch aber endlich auf meinem Nachttisch, und die ersten 35 Seiten habe ich regelrecht verschlungen. Den 1999 erschienenen Roman hatte ich damals sehnsüchtig erwartet, denn schließlich hatte der Verlag Bastei-Lübbe ihn im Jahr 2000 (oder 2001) bereits für seine Taschbuchreihe angekündigt. Titel sowie Umschlagbild standen bereits fest - "Unter falscher Flagge" sollte er heißen - und die grob angekündigte Geschichte klang neben der chronologische Einordnung äußerst vielversprechend: Nach den Romanadaptionen der Spiele WC3 und WC4, die zwar gut gelungen waren, allerdings nur wenig Neues boten, sowie dem spannenden Rückblick auf den Anfang des Kriegs ("Die Bedrohung") sollte der Autor nun endlich in die klaffende Lücke zwischen WC3 und WC4 stoßen, in der noch viel Raum für erzählerische Kreativität und gute Geschichten vorhanden war. Was geschah nach nach dem Untergang von Kilrah und der folgenden Kapitulation? Wie reagierte die Kilrathi-Gesellschaft auf die in ihrer Geschichte einmalige Schmach der Unterwerfung? Welche Rolle spielen die inzwischen liebgewonnenen Figuren und Piloten in dieser plötzlich eingeläuteten Nachkriegszeit? Die Spiele gaben darüber fast keine Auskunft, was nach 35 Jahren Krieg eigentlich ein Frevel war. Entsprechend erwartete ich viel von einem guten SciFi-Autor und profunden Kenner der Materie, der das Spieluniversum von WC zuvor schon so sehr bereichert hatte.

Der Rest ist Geschichte. Der auf Deutsch angekündigte Roman wurde aus unbekannten Gründen doch nicht verlegt. Wer weiß, ob jemals eine deutsche Übersetzung überhaupt begonnen wurde. Ich war schwer enttäuscht, verlor den Roman lange Jahre aus dem Blickfeld, und als ich mich schließlich wieder dafür zu interessieren begann, fand ich auf deutschen Gebrauchtbücher-Portalen nur wenige, dafür aber absurd überteuerte Angebote vor. Grotesker Höhepunkt war ein Amazon-Angebot, das "False Colors" für sagenhafte 199.- € feilbot... Doch auch Angebote von 30 Euro für ein zehn Jahre altes gebrauchtes Taschenbuch, das auf dem US-Gebrauchtmarkt für Centbeträge verramscht wird, waren aus Prinzip nichts für mich.
Seit etwa einem Jahr ist das Buch allerdings wieder zu halbwegs vernünftigen Preisen gebraucht über Amazon erhältlich, und am Ende habe ich zugegriffen, um die Lücke im Regal zu schließen. Ein kanadischer Anbieter von gebrauchten Büchern wollte dafür 8,80.- haben, Versand inklusive, also her damit! Letztlich kam das Buch dann von einem Antiquariat aus St. Louis per Luftfracht über Paris zu mir, was satte fünf Wochen gedauert hat, doch ich will mich nicht beklagen: Das Taschenbuch sieht aus wie brandneu aus dem Regal gezogen. Der Buchrücken hat keinerlei Knicke aufzuweisen, und ich glaube, das Ding wurde nie von einem Leser regelmäßig aufgeschlagen. Lediglich die Seiten sind nach über zehn Jahren etwas vergilbt, was inzwischen aber auf alle meine WC-Romane zutrifft. Würde darauf "Bastei-Lübbe" statt "Baen" stehen, wäre es von seinen deutschsprachigen Kollegen praktisch nicht zu unterscheiden. Im Vergleich zu meinem letzten Gebrauchtexemplar von "Die Befreier" verdient sich meine Ausgabe von "False Colors" mit Fug und Recht das Prädikat "neuwertig" - die kleineren Druckstellen an den Rändern dürften wohl allein auf den Transport zurückzuführen sein, denn die Lieferung erfolgte in einem schnöden Platikumschlag. Kurzum, ein sehr guter Zustand für den Preis, der allerdings immer noch verhältnismäßig hoch ist, wenn man bedenkt, dass die Bastei-Lübbe-Ausgaben damals neu für knapp 10 Mark über den Tresen gingen. Wer das Buch zur Vervollständigung seiner Sammlung von WC-Romanen noch sucht, sollte bei vergleichbaren Preisen dennoch zuschlagen, denn möglicherweise werden die Preise wieder anziehen. Vorausgesetzt natürlich, dass ihr auf eine deutsche Übersetzung verzichten und einen englischsprachigen Roman lesen könnt.

[spoiler:1thjjk77][Ich kann das zwar recht problemlos, doch habe ich vollstes Verständnis für alle, die das entweder nicht (ausreichend) können oder aber schlicht nicht einsehen. Die heutzutage schon obligatorische Anglophonie im deutschsprachigen Raum halte ich für maßlos übertrieben und teilweise für geradezu respektlos. Umgekehrt ist die teils extreme Anglophilie der Deutschsprachigen, gerade in der Webkommunikation, wieder hochnotpeinlich. Die schlimmsten "Denglisch"-Quatscher bringen meist keinen vernünftigen Satz auf Englisch zustande. Die Übersetzung von WC Saga habe ich 2009 auch aus obigen Gründen mal begonnen.][/spoiler:1thjjk77]

Genug davon. Der Roman setzt genau da ein, wo man es erwarten kann. Forstchen und sein Co-Autor greifen altbekannte Romanfiguren wieder auf: Jason Bondarevsky, inzwischen Commodore a.D., steht wieder im Mittelpunkt des Geschehens. Auch die abtrünnige "Republik Landreich" spielt wieder eine Rolle, denn dahin geht die Reise. Ich werde den Roman in Gänze besprechen, sobald ich mit der Lektüre durch bin. Ich habe lange auf das Buch gewartet - ich hoffe, ihr gebt mir ein klein wenig Zeit. :)

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3 Jahre 2 Wochen her #26706 von Arrow
Arrow antwortete auf das Thema: Wing Commander-Romane: Von Freedom Flight bis False Colors
Das war also der von mir so heiß erwartete Roman "Wing Commander: False Colors" – letzten Montag habe ich die Lektüre abgeschlossen. Die Bewertung des Romans fällt mir dieses Mal denkbar schwer: Natürlich kann ich "FC" jedem empfehlen, der mit der Romanserie bisher gut unterhalten wurde, und wer sich für die militärische, politische sowie gesellschaftliche Situation der Konföderation sowie ihrer Grenzkolonien interessiert, kommt kaum daran vorbei.

[center:2i2k1l19][/center:2i2k1l19][attachment=0:2i2k1l19]<!-- ia0 -->fc-titelbild.jpg<!-- ia0 -->[/attachment:2i2k1l19]

Dennoch fällt meine Kritik diesmal härter aus als sonst, denn die Dramaturgie dieses Romans weist Schwächen auf. Das Problem ist, dass "False Colors" offenbar ursprünglich der erste Teil einer zwischen WC3 und 4 angesiedelten Romanserie sein sollte, die man jedoch nicht fortgesetzt hat. Als Auftakt einer solchen denkbaren Trilogie macht der Roman sehr viel richtig, da es allerdings keine Fortsetzung gibt, muss er als eigenständiges Werk beurteilt werden. Um dies weiter auszuführen, muss ich schlicht Teile der Handlung preisgeben und warne entsprechend vor Spoilern:

[spoiler:2i2k1l19]Ende 2670: Der Krieg mit den Kilrathi ist beendet. Die Konföderation hat mit der Zerstörung Kilrahs den Sieg errungen, und die Kilrathi haben unter Melek, dem jetzigen Interims-Anführer, kapituliert. Allzu schnell wird ein großer Teil der terranischen Flotte eingemottet oder stillgelegt - die Konföderationsregierung will nach 35 Jahren Krieg endlich ihre ersehnte Friedensdividende kassieren - und die besten Offiziere bangen bei halbem Sold um ihre Zukunft. Commodore a. D. Jason Bondarevsky, aus den Vorgängerromanen wohlbekannt, hofft auf einen neuen Dienstposten in den Randkolonien der "Freien Republik Landreich". Auch Admiral Tolwyn schließt sich ihm an, da dessen Zukunft in den konföderierten Streikräften nach dem Behemoth-Desaster auf der Kippe steht. Ein kompletter Neuanfang also. Im Landreich treffen die beiden Veteranen auf alte Bekannte aus Kriegszeiten, und es erwartet sie gleich eine große Operation: Das Wrack eines schweren Kilrathi-Trägers wurde entdeckt und soll für die Marine des Landreichs geborgen sowie flugtauglich gemacht werden. In den Randkolonien ist derweil kein Frieden eingekehrt, denn ein Kriegsfürst der Kilrathi aus der dem Landreich angrenzenden Region möchte sich zum neuen Herrscher über alle Kilrathi ausrufen und sammelt scharenweise versprengte Untergebene um sich, die den Friedensvertrag ablehnen. Er plant eine Invasion der Landreich-Systeme, um seinen Machtbereich zu erweiteren sowie, mit dem nötigen Ruhm ausgestattet, das Erbe des Imperiums anzutreten. Der schwere Träger soll die Flotte des Landreichs verstärken, um einer solchen Bedrohung gewachsen zu sein. Der Plan der Menschen geht auf: Das Schiff kann in wochenlanger Schwerstarbeit wieder halbwegs in Betrieb genommen werden. Die Lage verschlimmert sich, als herauskommt, dass der Kriegsfürst einen Dreadnought des Imperiums in seine Gewalt bekommen hat. Der Auftrag lautet, mit dem erbeuteten Träger einen Überfall auf die feindliche Raumwerft vorzunehmen und das dort vor Anker liegende Ungetüm auszuschalten, sodass die drohende Invasion vereitelt wird. Adm. Tolwyn soll das Kommando über den gestrandeten Träger erhalten, Bondarevsky soll dessen Geschwaderführer werden. Geflogen werden natürlich die vorhandenen Kilrathi-Jäger. Intrigen und Verschwörungen innerhalb der Terraner gefährden das Projekt, denn irgendetwas ist hier faul.[/spoiler:2i2k1l19]

Dass in „False Colors“ keine weitere Schlacht um die Erde oder eine ähnlich große Kriegskampagne im Vordergrund stehen würde, war natürlich von Anfang an klar. Der Krieg ist schließlich vorbei, das Imperium kollabiert, und die Randwelten des Landreichs versprechen höchstens einen örtlich begrenzten Nebenkonflikt. Da auch Admiral Tolwyn eine wichtige Rolle im Roman spielt, hofft man als Leser natürlich, mehr über seinen Wandel vom einstigen Helden der Konföderation zu einem paranoiden Faschisten in WC4 zu erfahren. Ist diese Entwicklung bereits abgeschlossen, oder findet sie hier etwa ihren Anfang? Wieso hilft Tolwyn erneut den Grenzkolonien, wo er sie doch schon drei Jahre später mit Biowaffen und Krieg überziehen will? Verfolgt er eigene Pläne, und falls ja, welche?
Natürlich spielen in FC auch politische Intrigen eine Rolle, und das mehr denn je. Machtverschiebungen werden allmählich deutlich, neue Bedrohungen kündigen sich an, und weitreichende Verschwörungen bilden den Hintergrund, vor dem sich der vergleichsweise simple Hauptplot um den Träger abspielt, der natürlich mit der Intrige irgendwie in Verbindung zu stehen scheint.
Hier jedoch liegt der Hase im Pfeffer: Nach ungefähr drei Vierteln des Romans wird einem plötzlich klar, dass man lediglich den Auftakt einer weitaus größeren Geschichte verfolgt, die in einem Buch allein überhaupt nicht zu erzählen ist. Wie bei einem Schachspiel werden hier die Figuren auf ihre Positionen gerückt, die ersten Schläge ausgetauscht, während die tatsächliche Strategie aller Spieler noch weitgehend undeutlich bleibt. In dieser Metapher nimmt Admiral Tolwyn scheinbar die Funktion eines weißen Springers ein, obwohl man längst (mit Kenntnis von WC4) annehmen muss, dass er wohl eher der König der schwarzen Seite ist. Doch genug vom Schach; der Roman lässt sich unglaublich viel Zeit, bevor das scheinbare Finale mit klassischer Weltraumaction in Fahrt gerät. Dies ist natürlich wie immer spannend erzählt und teilweise wird es sehr wohl auch tragisch, doch nimmt dieser Teil relativ wenig Umfang in Anspruch. Als sich nach über 400 Seiten die (vermeintlichen) Hauptkontrahenten endlich gegenüberstehen, wird man leider etwas enttäuscht. Die Narration stoppt quasi, die große Schlacht wird vorerst abgeblasen, das Kapitel ist beendet, und die Erzählung erst im sicheren Heimathafen fortgesetzt. Dennoch, eigentlich möchte man am Ende das Buch befriedigt zuklappen und ausrufen: „Das geht schon mal gut los, mehr davon!“, doch nach fünfzehn Jahren ohne Fortsetztung gibt es da leider keinen Grund für Optimismus. Ein interessanter Prolog für eine noch interessantere Geschichte wurde hier abgeliefert, und dieser hängt nun wohl für immer frei in der Luft.
Völlig im Dunkeln über die Vorgänge bleibt man freilich nicht: Ein Teil der Verschwörung wird dem Leser in den 470 Seiten des Buches sehr wohl offenbart. Es gärt innerhalb der Konföderation. Eine Verschwörerclique plant eine Machtübernahme des Militärs, und das Mittel dazu ist ein neuer Krieg. Klingt wie eine Vorwegnahme der WC4-Handlung, doch die Sache ist hier noch wesentlich komplizierter. Tolwyn arbeitet nämlich augenscheinlich klar gegen diesen Geheimplan, hat dafür aber etwas viel Größeres im Sinn. Völlig klare Sache, mag man sich denken, aber man merkt deutlich, dass die Autoren hier nicht den direktesten Weg für Tolwyn im Sinn hatten. Leider werden wir es wohl nie mehr erfahren.
Aber auch die vermeintliche Gegenseite, die Kilrathi, kommen in FC sehr wohl zu ihrem Recht. Als jemand, der sich schon immer für die vom Autor Forstchen maßgeblich mitentwickelte Kultur der Kilrathi sehr interessiert hat, habe ich mit Spannung verfolgt, was mit dem einstigen Imperium nach der Zerstörung Kilrahs geschehen ist. Hier kommt man sehr wohl auf seine Kosten, denn Friedensengel sind die Katzen in ihrer Gesamtheit keineswegs geworden. Dass nicht alle Kilrathi den vermeintlichen „Appeaser“ Melek als ihren Anführer akzeptieren würden, war zu erwarten. Konkurrenz, mögliche Erbfolgekriege – all das wird im Roman glücklicherweise behandelt, kommt am Ende aber leider viel zu kurz. Wie gern hätte ich mehr darüber erfahren!

Wie gesagt, eine abschließende Bewertung fällt mir äußerst schwer. Sowohl als Fortsetzung von WC3 wie auch als Anknüpfung an „Die Geheimflotte“ („Fleet Action“) macht FC eigentlich alles richtig. Fast alle bekannten Figuren aus Forstchens Romanreihe tauchen – sofern noch am Leben – wieder auf. Die Nachkriegszeit mit ihren Auswirkungen auf das Leben von Berufssoldaten erwacht zum leben und wird sehr glaubwürdig geschildert. Dieser Auftakt einer Nachkriegs-Romanreihe im Wing Commander-Universum kann als durchaus gelungen bezeichnet werden, denn man möchte sofort wissen, wie es weitergeht, auch wenn die Ereignisse von WC4 längst bekannt sind. Ein großes Lob spreche ich den Autoren auch dafür aus, die Kilrathi nach der Vernichtung Kilrahs als Bedrohung nicht einfach aufgegeben zu haben, da mich dieser Zug in WC4 doch sehr enttäuscht hatte.
Mein weinendes Auge blickt jedoch auf die unabänderliche Tatsache, dass die einmal möglicherweise geplante Geschichte niemals geschrieben bzw. verlegt werden wird. Und hier überwiegt nun einmal die bittere Enttäuschung, die ich dem Roman selbst zwar nicht unmittelbar vorwerfen kann, die aber letzlich doch auf ihn zurückfällt. Zumindest, was die mögliche Empfehlung desselben betrifft.
Entsprechend rate ich: Des Englischen mächtige Sammler und WC-Romanfans, die sich „False Colors“ zu einem Preis von weniger als 10 Euro anschaffen können, sollten zuschlagen. Als de facto bloßes Fragment einer größeren Story um das Landreich, die Kilrathi und Admiral Tolwyn ist er für alle anderen WC-Fans aber kein Pflichtkauf. Abseits der politischen Verschwörungen und Schachzüge kann die vordergründige Handlung um die Inbesitznahme eines verlassenen Kilrathi-Trägers sowie seines ersten Kampfeinsatzes doch nur bedingt unterhalten. Nach einem vielversprechenden Anfang verliert der Roman bei diesem Plot viel zu sehr an Tempo, und es geschieht schlicht zu wenig in der Erzählzeit von immerhin 300 Seiten, bevor endlich etwas Bewegung in die Sache kommt. Während man eigentlich brennend darauf wartet, mehr über die vielen Hintergründe zu erfahren, wird man am Ende nur mit etwas vordergründigem Krachbumm abgespeist, das darüber hinaus doch recht vorhersehbar war. Eine große Chance wurde hier leider vertan.

Ansonsten fällt auf, dass die Entwickler und Autoren von WC Saga viele Kleinigkeiten aus „False Colors“ übernommen haben bzw. davon inspiriert wurden. Einige Schiffs- und Jägerklassen von FC fanden jedenfalls Einzug in das Saga-Arsenal - besonders bei den Kilrathi. So wurde ein im Roman auftauchender Geleitträger der Kilrathi namens KIS Dubav zum Pate einer ganzen Klasse leichter Träger gemacht. Auch wird Sagas ECM-Version der Vaktoth (Zartoth) dort zum ersten Mal offiziell erwähnt. Große Trägerschiffe tauchen hier nicht auf, wenn man mal von der Karga absieht. William Forstchen bleibt auch hier wieder seinen eigens erdichteten Geleitträgern der Wake-Klasse treu, die ja auch hervorragend in das Arsenal der Randkolonien passen. Das zentrale Schiff der Story, die ehemalige KIS Karga, wird zwar als Bhantkara-Klasse bezeichnet, jedoch mit zwei Flugdecks anders beschrieben als die Schiffe dieses Typs, die wir aus WC3 und WCS kennen.
Endlos diskutieren könnte man freilich (erneut) über die tatsächliche Länge des Kilrathi-Dreadnaughts, die auch in FC mit m.E. unsinnigen 22 km Länge angegeben wird. Ja, so steht es im „Victory Streak“ zu lesen, keine Frage, aber das roch schon immer stark nach einem Missgeschick des damaligen Lektoriats. Oft werden die 22 km aufgrund der Nennung im Buch nunmehr als bestätigt angesehen, aber eine zweifelhafte Quelle wird nicht dadurch validiert, dass ein Autor sich nachträglich an ihr orientiert hat. Da es aber ohnehin einige Diskrepanzen zwischen den Romanen und dem ansonsten ausgezeichneten WC3-Handbuch gibt, sollte man die Sache aber auch nicht überbewerten.

Fazit: Lesenswert, aber nicht um/zu jedem Preis. Sollte es eine Fortsetzung geben, bin ich sofort dabei. Dann gerne auch wieder auf Englisch, wenn sich kein deutschsprachiger Verleger finden sollte. Ansonsten bleibt "False Colors" leider ein Roman mit eingebauter Ernüchterung.

"Ich würde immer eine Maschine bevorzugen, die um einen schweren Jäger Kreise fliegen kann, wenn es sein muss.“ Alec "Ninja" Crisologo, Wing Commander Saga
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2 Jahre 9 Monate her #28558 von Arrow
Arrow antwortete auf das Thema: Wing Commander-Romane: Von Freedom Flight bis False Colors
Offenbar konnte ich ein paar Mitglieder meines WCS-Deutsch-Teams zum Erwerb der Wing Commander-Bücher motivieren. Dies hat freilich auch praktische Gründe, denn Wing Commander Saga nimmt wie kein anderes Spiel der Reihe Bezug auf die offiziellen Romane, sein es nun Handlung, technische Details, Chronologie oder Biographien.
Ich weiß natürlich selbst nur zu gut, wie schwierig es ist, sämtliche Romane auf dem Gebrauchtmarkt zu finden. Lange Zeit waren die Preise vieler Exemplare geradezu horrend, und noch immer findet man so manche absurde Preisvorstellungen bei einigen Anbietern. Grundsätzlich sollte man nichts überstürzen und bei zu hohen Preisen erst einmal abwarten. Inzwischen schwanken die Preise einiger Exemplare beinahe schon täglich, sodass man unbedingt vergleichen sollte. Als Faustregel hat sich gezeigt, dass insbesondere die älteren Romane meist zu deutlich höheren Preisen gehandelt werden als die neueren. Ein Roman wie "Die Bedrohung" ("Action Stations") ist beispielsweise seit Jahren schon für Centbeträge zu bekommen, während für "Die Befreier" oder "Der Hinterhalt" teils absurde Preise verlangt werden. Ganz klar gilt: Nicht mehr als zehn Euro ausgeben! Die Bücher waren zu ihrer Erscheinungszeit (neu) für etwa 10.- DM zu bekommen. Inzwischen ist das Papier dunkel geworden, und so manches Titelbild ist verschlissen. Zu viel sollte man dafür wirklich nicht ausgeben. Ausnahmen mag es freilich geben, denn "False Colors" ist oft nur als Import erhältlich, was entsprechende Liefergebüren zur Folge hat.

Ich hoffe trotzdem, dass sich alle Interessierten davon nicht abschrecken lassen, sodass hier früher oder später eine Diskussion entstehen kann. Die Besprechung zu "Die Bedrohung" steht natürlich von meiner Seite noch aus. Dieses Jahr erfolgt sie aber garantiert! :D

"Ich würde immer eine Maschine bevorzugen, die um einen schweren Jäger Kreise fliegen kann, wenn es sein muss.“ Alec "Ninja" Crisologo, Wing Commander Saga

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2 Jahre 8 Monate her #28596 von gevatter Lars
gevatter Lars antwortete auf das Thema: Wing Commander-Romane: Von Freedom Flight bis False Colors
Hat hier jemand schon Pilgrims Truth gelesen?

Ich hab jetzt die ersten paar Seiten durch und ich muß sagen...Blair ist jetzt ein vollwertiger Jedi...respekt.

Mein Fazit soweit?
Wer die Idee der Pilger mit ihren Jedi Fähigkeiten aus dem Film schon nicht mochte wird hier erst recht den Kopf schütteln.
Im Film hieß es ja das die Pilger Gravitations/Magnetfelder spüren können und dadurch Sprunge ohne Computer durchführen können.
Das es Tiere, vornähmlich Vögel, gibt die Magnetfelder besser nutzen können ist ja bekannt. Das es vielleicht durch eine Mutation oder gezielte Manipulation dazu kommen kann das Menschen das auch spüren können...kann ich mich ja noch halbwegs mit anfreunden da es etwas ähnliches schon gibt.
Allerdings das jetzt noch Telepatie dazu kommt inklusive kommunikation über mehrere Sektoren hinweg und irgendwelchen Prophezeiungen und höre Wesen? (Wobei ich mir hier noch nicht sicher bin ob das nicht einfach nur Blair ist der allmählich schugge wird ^_^)

Ich werde den Roman zwar weiter lesen aber momentan ist mir das alles etwas sehr komisch.
Auch das die Pilger da quasi ein halb fanatischen Staat aufgebaut haben wirkt irgendwie komisch.

Mal schauen was da noch so kommt.

Ärger ist wie ein Schaukelstuhl - er hält dich in Bewegung aber Du kommst nirgendwo hin.

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2 Jahre 8 Monate her #28597 von Arrow
Arrow antwortete auf das Thema: Wing Commander-Romane: Von Freedom Flight bis False Colors

gevatter Lars schrieb: Hat hier jemand schon Pilgrims Truth gelesen?


Ich nicht, und ich habe es auch nicht vor. Jedes literarische Werk, das die kruden Andeutungen und Verlautbarungen dieses Films zur Grundlage erklärt, lasse ich links liegen.

gevatter Lars schrieb: Mein Fazit soweit?
Wer die Idee der Pilger mit ihren Jedi Fähigkeiten aus dem Film schon nicht mochte wird hier erst recht den Kopf schütteln.
Im Film hieß es ja das die Pilger Gravitations/Magnetfelder spüren können und dadurch Sprunge ohne Computer durchführen können.
Das es Tiere, vornähmlich Vögel, gibt die Magnetfelder besser nutzen können ist ja bekannt. Das es vielleicht durch eine Mutation oder gezielte Manipulation dazu kommen kann das Menschen das auch spüren können...kann ich mich ja noch halbwegs mit anfreunden da es etwas ähnliches schon gibt.
Allerdings das jetzt noch Telepatie dazu kommt inklusive kommunikation über mehrere Sektoren hinweg und irgendwelchen Prophezeiungen und höre Wesen? (Wobei ich mir hier noch nicht sicher bin ob das nicht einfach nur Blair ist der allmählich schugge wird ^_^)

Ich werde den Roman zwar weiter lesen aber momentan ist mir das alles etwas sehr komisch.
Auch das die Pilger da quasi ein halb fanatischen Staat aufgebaut haben wirkt irgendwie komisch.

Mal schauen was da noch so kommt.


Jetzt möchte ich das sogar noch weitaus weniger lesen als vorher, wobei das letzten Endes nur die Konsequenz der im Film vorgestellten Absurditäten darstellt. Wozu brauchte es jemals die Erschaffung der Black Lance, wenn die Menschheit doch schon ihre eigene Sub-Überrasse hat? Dieser Krempel von Peter Telep macht aus Wing Commander noch das moralische Gegenteil dessen, was es mal sein wollte. Trotzdem danke, dass du uns darauf aufmerksam gemacht hast. Ich nehme mal an, dass dieser Roman noch nicht ins Deutsche übersetzt wurde. Lies dann doch lieber "False Colors" - oder hast du schon? :D

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2 Jahre 8 Monate her #28598 von Arrow
Arrow antwortete auf das Thema: Wing Commander-Romane: Von Freedom Flight bis False Colors
Nachtrag: Es wird allerhöchste Zeit, dass ich endlich die Besprechung von "Action Stations" ("Die Bedrohung") in Angriff nehme. Nächsten Monat, versprochen. :)

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2 Jahre 8 Monate her #28599 von gevatter Lars
gevatter Lars antwortete auf das Thema: Wing Commander-Romane: Von Freedom Flight bis False Colors
Also....was jetzt kommt ist das wenige was ich so mal quer gelesen hab. Insofern nicht zwangsweise richtig aber ich finde den Punkt "Black Lance VS Pilger" interessant. Deswegen mal kurz mein Eindruck dazu.

Die Pilger waren anfangs wohl eine zufällige Gruppe von Menschen die eine besondere Fähigkeit hatten. Das hat man anfangs nicht wirklich mitbekommen. Später gesellte sich dann das bewustsein dazu das diese Leute anders waren. Aus ihren Reihen stammten wohl fast alle Piloten der ersten sprungfähigen Schiffe. Wobei der Antrieb hier noch anders funktionierte als bei den Schiffen aus WC1 und folgend. [Hopper-Drive vor WC1. Danach Akwende-Drive]

Die ersten Kolonien wurden daher fast nur von den Pilgern bevölkert. Mit dem Aufkommen eines "Propheten" der eine Religion um die Pilger baute kapselten sich diese dann von der Conföderation ab.
Später wurden die dann mehr oder weniger fanatisch. Später ist dann der Krieg zwischen den Pilgern und der Conföderation ausgebrochen.
Funfact...der Kilrathi-Krieg beginnt kurz vor dem Ende des Pilgrim Krieges. Bin mal gespannt ob es darüber noch eine Bemerkung im Buch gibt ob die Kilrathi das gezielt zu diesem Zeitpunkt herrauf beschworen haben.

Zurück aber zu den eigentlich. Die Pilger wurden in dem Krieg auf wenige Kolonien zurückgedrängt und ein guter Teil ist auf niemmer wiedersehen verschwunden.
Die Überlebenden sind auf "reservate" beschrängt.

Hier kommt der Punkt warum die Conföderation solche Leute nicht einsetzen will. Erstmal haben die schon einmal versucht die "Menschheit" auf der Erde fest zu setzten und es sind religiöse Fanatiker die sogar mit den Kilrathi geschäfte gemacht haben.
Ich würde denen nicht noch meine besten Waffen in die Hand drücken. ^_^


Übersetzung
Meines wissens nach wurde der nicht übersetzt. Ich lese ihn auf englisch, welches Teilweise grausam ist da scheinbar auch mal wörter im Text vergessen wurden und dann noch diese "neuen" Begriffe die von den Pilgern verwendet werden nerven. Es ist nicht "brother" sondern "brutor".

Ausderm schein die Pilger in alle dunklen Ecken der menschlichen Entwicklung zurück gegangen zu sein.
Die Religion bestimmt fast alles. Es gibt Glaubensführer die sich nen Harem halten. Ableger der Pilger die sich alle Chirogisch verändern lassen um irgendeinem Ideal nach zu kommen. Ohne darauf rücksicht zu nehmen ob das überhaupt passt...

Ich glaube der Autor versucht krampfhaft die Pilger in einem schlechten Licht darstehen zu lassen und übertreibt dabei.
Begeistert bin ich bis jetzt noch nicht.


Andere Romane
Ich glaube bis auf "Pilgrims Star" und "Pilgrims Truth" habe ich alle Romane schon mal gelesen.
Hab sogar alle (auf englisch) für mein Handy zu lesen in der Bahn.

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2 Jahre 8 Monate her #28601 von Arrow
Arrow antwortete auf das Thema: Wing Commander-Romane: Von Freedom Flight bis False Colors
Klingt doch alles einigermaßen abenteuerlich. Fehlt wirklich nur noch, dass man diese Pilger-Übermenschen an mikroskopisch kleinen Organismen in ihrer Blutbahn erkennt.

Immerhin baut Telep in seinen Büchern konsequent all die Andeutungen und Spurenelemente des Pilger-Mythos aus, die im Film enthalten waren, aber nie vertieft wurden. Ich frage mich aber ernsthaft, was Roberts - der ja immerhin das Drehbuch verfasste - dazu bewogen hat, solche eine konstruierte, religiös angehauchte Rassenthematik in sein Wing Commander-Universum einzuweben. Wenn er es im Film bei ein paar Anspielungen belassen hat, dann möglicherweise deshalb, weil er von diesem Konzept selbst nicht (mehr) vollends überzeugt war. Die Figur Christopher Blair wird jedenfalls keinen Deut interessanter, nur weil er plötzlich ein mathematisch hochbegabtes Weltraum-Wunderkind ist, das in seiner jungen Laufbahn ständig gemobbt wurde. Hätte man diesen ganzen Krempel verworfen und Blair stattdessen zu einem interessanten Charakter ausgebaut, wäre der ganze Film bereits ein kleines Stückchen besser geworden. Ich hätte im Film zu gerne mehr über den jungen Blair erfahren, denn gerade in WC1 kam hier vieles zu kurz. Warum nicht einen gutgläubigen Naivling zeigen, der nur deshalb den Streitkräften beitgetreten ist, weil er den Mädels imponieren, oder es seinem Rivalen-Kumpel Todd mal richtig zeigen wollte? So ein Blair hätte als Identifikationsfigur weitaus mehr getaugt als ein geprügelter Hund, der im Dienst an der Konföderation nur seine Pilger-Vergangenheit abschütteln will - zumal der Pilger-Hintergrund einfach nur wie ein Fremdkörper wirkt, den man Blair angeschraubt hat.

Aber ich will gar nicht zu sehr auf den Film eingehen, sondern bei der Romanserie von Telep bleiben, die diesen Hintergrund beleuchtet. So, wie man Blair eine neue Herkunft angedichtet hat, wird in diesen Büchern der Wing Commander-Geschichtsschreibung eine ganz neue Vorgeschichte aufs Auge gedrückt. Ich finde so etwas, gerade im Nachhinein, hochproblematisch, denn nichts davon passt zu all dem, was wir in den Spielen und Büchern gesehen haben. Man muss sich auf etwas komplett Neues einlassen. Die Pilger-Thematik nebst Krieg ist keine einfache Modifikation des Bestehenden, sondern schlicht eine Neuinterpretation bzw. ein Reboot der Serie.
Du sagst, dass der Autor versuche, die Pilger in ein schlechtes Licht zu rücken. Nach allem, was ich bisher erfahren habe, sind diese Pilger keine allzu sympathischen Gestalten. Ich glaube, kein Autor, auch nicht im SciFi-Genre, kann heute noch Partei für rassisch-religiösen Fanatismus oder Chauvinismus ergreifen, ohne schief angeschaut zu werden. Andererseits, und hier komme ich kurz auf wieder auf den Film zu sprechen, sind die „Nichtpilger“ in ihren Vorurteilen (man denke an die Sippenhaft-Attitüde des ersten Offiziers) auch nicht gerade angenehme Zeitgenossen. Da herrscht abgrundtiefes Misstrauen, und jeder Pilgerankömmling steht automatisch unter Verdacht, ein Verräter zu sein. Das ist ehrlich gesagt nicht die Menschheit, die ich in den alten WC-Spielen- und Romanen kennengelernt habe. Natürlich will niemand im SciFi-Genre eine perfekte, harmonische Menschheit sehen, die eine perfekte Gesellschaftsform gefunden hat, und in der alle Widersprüche für immer gelöst wurden. So etwas wäre vermutlich furchtbar langweilig. Dennoch stellt die Terranische Konföderation einen gewaltigen Entwicklungsschritt dar, schließlich wurden alle Völker der Erde demokratisch und gewaltlos vereint. Kriege wurden überwunden und relativer Wohlstand geschaffen. Natürlich gab es immer wieder Konfliktherde, doch der Krieg gegen die Kilrathi ließ die Menschheit enger zusammenrücken. Nach dem Krieg rissen gewisse Konfliktherde und Widersprüche erneut auf, was ja anfürsich nicht unrealistisch ist. Die fatale Fehldiagnose eines Admiral Tolwyn (in WC4) bestand ja gerade darin, dass er die Quelle der Stärke und Einigkeit der Menschheit im fortwährenden Krieg ausgemacht hatte. Fehlt der Feind von außerhalb, muss eben der Feind im Inneren gesucht werden. Randgruppen wie die Grenzwelten boten sich an, und mittels längst überwunden geglaubter Rassismen fand sich die passende ideologische Begründung dafür. Tolwyn wurde schließlich als Faschist und Verbrecher entlarft, und der drohende Krieg wurde abgewendet. Die Menschheit stand im Begriff, so zu werden wie die Kilrathi. Sie selbst wäre zur Fratze ihrer Anklagen gegen die Kilrathi geworden.

Tolwyns überlegene „Supermenschen“ waren genetisch modifizierte Krieger ohne Gewissen, aber sie waren immer noch künstlich erschaffen. Nun kommt aber Telep daher und dichtet der Menschheit nachträglich eine „natürliche“ Superspezies an, die die interstellare Raumfahrt durch ihre besonderen Fähigkeiten erst ermöglicht hat. Die radikalisieren sich und verhalten sich gegenüber Nichtpilgern feindselig. Es kommt zum Krieg, sie verlieren, werden zurückgedrängt, und gelten fortan als Aussätzige in Reservaten... Eine tolle Geschichte des 27. Jahrhunderts! Die biologische Weiterentwicklung der Menschen besteht entsprechend aus sich überlegen fühlenden Fanatikern, woraufhin auf beiden Seiten neuer Rassismus entsteht, Krieg inbegriffen. Das ist jedenfalls nicht mehr die Konföderation, die gemäß William Eisen der Menschheit die längste Friedensperiode der Geschichte beschert hat. Wie gesagt, dies ist ein neues Universum, das allenfalls noch gewisse Anleihen bei Wing Commander hat; von mir aus auch eine alternative Geschichte von WC, aber gewiss nicht das Universum, das wir kennen. Soll man von mir aus gerne in Buchform erzählen, keine Frage, doch hierbei handelt es sich immerhin um den nachträglich ausgearbeiteten Unterbau, auf dem der Film basiert.

Was bitteschön dachte sich Chris Robers denn bloß dabei? Selbst auf dem CIC, wo man sämtliche Informationen, die nur irgendwie unter dem Label Wing Commander subsummiert werden können, ansonsten begeistert aufgreift, wird die Pilgerthematik eher beiläufig abgehakt. In meinen Augen ist das Ganze ein Betriebsunfall, den man am besten ignorieren sollte.

"Ich würde immer eine Maschine bevorzugen, die um einen schweren Jäger Kreise fliegen kann, wenn es sein muss.“ Alec "Ninja" Crisologo, Wing Commander Saga

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2 Jahre 8 Monate her #28604 von Arrow
Arrow antwortete auf das Thema: Wing Commander-Romane: Von Freedom Flight bis False Colors
Wie ich gestern nach einem Blick in mein Bücherregal feststellen musste, besitze ich "WC Die Bedrohung"/"Action Stations" gar nicht mehr. Hatte ich vor vielen Jahren anscheinend mal verliehen... Nun gut, ist bereits gebraucht bestellt. Nach der erneuten Lektüre kann's losgehen.

"Ich würde immer eine Maschine bevorzugen, die um einen schweren Jäger Kreise fliegen kann, wenn es sein muss.“ Alec "Ninja" Crisologo, Wing Commander Saga

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2 Jahre 8 Monate her #28635 von Arrow
Arrow antwortete auf das Thema: Wing Commander-Romane: Von Freedom Flight bis False Colors
So, der Roman "Die Bedrohung" (Action Stations) ist gestern wohlbehalten bei mir eingetroffen. Bestellt habe ich bei Amazon für € 3,88.-, wobei die Zahl vor dem Komma wie so meist den Versandgebühren entspricht. Die physische Qualität ist für ein fünfzehn Jahre altes gebrauchtes Taschenbuch ausgezeichnet. Wie beim zuletzt gebraucht gekauften "False Colors" könnte das Exemplar in diesem Zustand aus jedem aktuellen Händlerregal stammen. Cover, Titelbild und Buchrücken sind völlig tadellos sowie frei von Gebrauchtspuren. Mehr als einmal wurde dieses Exemplar vermutlich nie gelesen, und damit ist meine Wing Commander-Romansammlung nunmehr komplett.

In deutscher Sprache erschien "Die Bedrohung" im Jahr 2000, wobei der Preis auf dem Rücken erstmals in D-Mark, Österreichischen Schilling sowie im damals neuen Euro angegeben ist. Das erste Mal habe ich den Roman im Jahr 2001 gelesen, somit ist eine Neulektüre erst einmal unverzichtbar.
Das erste Drittel habe ich bereits hinter mir, doch schon jetzt muss ich meckern: Dass die Veröffentlichung des Buchs mitten in die Zeit der Irrungen der ersten Welle der überhasteten Rechtschreibreform gefallen ist, fällt sofort ins Auge. In Punkto Orthografie erwartet den Leser hier ein Sammelsurium von Absurditäten ohne Einheitlichkeit bzw. Sinn oder Verstand. Besonders Fälle der damals umstrittenen Zusammen- und Getrennschreibung wurden hier teilweise auf derart abenteuerliche Weise realisiert, dass beinahe eine Altersfreigabe sinnvoll erscheint, um heutige Schulkinder nicht völlig aus der Bahn zu werfen. "Kinder, bitte so nicht schreiben", möchte man heutigen ABC-Schützen zurufen.

Leider bleibt es dabei nicht. Weitere Abgründe tun sich bei der Übersetzung auf, mit der nach der Roman-Adaption von WCIV eindeutig der Falsche betraut wurde. Ich bin weiß Gott nicht überempfindlich und durch die früheren WC-Romane bereits an einige Fehltritte gewöhnt, doch mit dieser Übertragung ins Deutsche fällt das Niveau noch einmal gewaltig ab. Ich spreche hier noch nicht mal über die konsequente Fehlübersetzung von "Confederation" zu "Föderation" oder über die Unfähigkeit, aus "squadron" endlich einmal "Staffel" statt "Schwadron" zu machen. Schwerer zu akzeptieren fällt da schon, dass ein professioneller Übersetzer vor dem Wörtchen "viewport" vollständig kapituliert, anstatt daraus wenigstens ein profanes "Fenster" zu machen. Das heute leider schon übliche Doof-Denglisch in Form Falscher Freunde wie "Sinn machen" oder "nicht wirklich" nimmt man hingegen kaum noch als störend wahr, wenn man ständig auf Schlimmeres trifft. Unerträglich wird es, wenn man immer wieder auf Sätze stößt, die einfach keinen Sinn ergeben, oder aber Sätze aneinandergereiht werden, zwischen denen überhaupt kein Zusammenhang bzw. nicht die geringste Kohärenz besteht. Ebenso finden sich zum Teil Aussagesätze, deren Verben sinngemäß schlicht invertiert wurden, was den kundigen Leser (besonders den mit Kenntnis von Wing Commander) ein ums andere Mal fassungslos innehalten lässt...

Ein verlagsseitiges Lektorat, das ein Übersetzungsmanuskript vor der Erstauflage korrekturliest, um den künftigen Lesern zumindest das Schlimmste zu ersparen, stand dem Verlag Bastei Lübbe anno 2000 offenbar nicht zur Verfügung. Die ständigen, teils peinlichen Tippfehler sowie die häufig vertauschten Figurennamen bei Dialogen sind letztlich ein weiterer Tritt in die Magengrube des aufmerksamen Lesers. So etwas ist mir wirklich noch nie untergekommen. "Die Bedrohung" verdiente wie kein anderer Roman der Wing Commander-Reihe dringend eine gründlich durchgesehene Neuauflage. Allein aus sprachlicher Neugier denke ich zurzeit über die Anschaffung der englischen Fassung nach.

Doch genug gemeckert über die Form! In wenigen Tagen wird hier eine lange, ausführliche Rezension stehen. :)

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